Life Magazin, Susanne Dressler, Volksoper

Wuchtelschieber

„Roxy und das Wunderteam“ in der Volksoper: Richtig gedacht. Fußball spielt hier eine Hauptrolle, aber nicht nur. Flotte Sprüche und Tänze geben den Takt vor.

Der Theaterabend startet vielversprechend: Vor der Volksoper werden Sekt und Brötchen für alle gereicht. Eine charmante Idee, um die erste Premiere der Saison einzuläuten. Gut gelaunt suchen die Zuschauer wenig später ihre Plätze, 3-G-Regel und Maskenpflicht sind selbstverständlich. Schon geht es mit einem Fußballmatch zwischen Ungarn und England los, die Stimmung wird aus dem Orchestergraben eingeheizt, Fußballer trippeln über die Bühne und mit Jubelschreien für Ungarn endet die erste turbulente Szene. In dieser Manier geht es in der Paul Abraham-Vaudeville-Operette weiter: Das Tempo ist sportlich hoch, genauso wie es Revue-Theater fordert. Immer im Mittelpunkt steht das gut aussehende Fußballteam, der beliebte Tormann Jani Hatschek und der Mannschaftskapitän Gjurka Karoly. Die weitere Handlung ist operettenhaft banal: Eine Braut, die sich nicht traut, ein Paar das erst nach zwei Stunden zueinander finden darf, kein Klischee zwischen Mann und Frau das nicht strapaziert wird, um für einen raschen Lacher zu sorgen.

Life Magazin, Susanne Dressler, Volksoper
© Barbara Pálffy-Volksoper Wien

Zwischentöne in Moll

Hinter der flotten Musik von Paul Abraham, neu für die Produktion von Dirigenten Kai Tietje adaptiert und von schillernden Melodiezitaten aus Csárdas, Walzer, Jazz und Operettenschmelz nur so strotzend, verstecken sich zahlreiche Hinweise, die das dunkle Kapitel der NS-Zeit ahnen lassen. Abraham war ein höchst erfolgreicher und beliebter Komponist bevor auch er ins Exil flüchtete. Um das zu verdeutlichen wurde der Text entsprechend geschliffen, woran unter anderem der allseits beliebte Christoph Wagner-Trenkwitz beteiligt war. Er bewies sich im letzten Drittel des Abends auch als Radio-Sportmoderator. Apropos Sport: Auch hier gibt es einen historischen Bezug. 1932 wird die österreichische Fußballmannschaft als „Wunderteam“ gefeiert. Einige „echte“ Fußballer gelten als Vorbild für Rollen in der Revue.

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Gelungene Teamleistung

Die Frage ob man die Handlung versteht oder die Musik mag, oder gar etwas von Fußball versteht, stellt sich im Laufe des Abends immer weniger. Einfach entspannt zurücklehnen, ein bisschen mit den Zehen wippen und die rasante Abfolge an Szenenwechsel – Chapeau ans Bühnenbild von Sam Madwar und an die Choreografie von Francesc Abós –, die originellen, bunten und schrillen Kostüme und die wilde Abfolge an Tanz- und Gesangsnummern genießen. Regisseur Andreas Gergen hat ganze Arbeit geleistet, das Ensemble arbeitet Hand in Hand, ganz nach dem Motto: Nur gemeinsam sind wir stark!

Life Magazin, Susanne Dressler, Volksoper
© Barbara Pálffy-Volksoper Wien

Freude am Spiel

Szenenapplaus brandet ein paar Mal auf: Selbstverständlich wenn Hausherr Robert Meyer, der in der Rolle eines reichen Schotten wie immer überzeugt, in einem Couplet betont, dass „wahre Kunst anders aussieht“. In der Rolle der herumwirbelnden Roxy liefert Katharina Gorgi wie gewünscht: hübsche Stimme, Temperament, ausgezeichnete Tanzkenntnisse. Jörn-Felix Alt steht ihr als verliebter Mittelstürmer in nichts nach. Bejubelt werden vom Premierenpublikum aber glücklicherweise alle, die an diesem Abend auf der Bühne standen. Braucht man so ein Stück? Selbstverständlich nicht. Aber was spricht dagegen? Absolut gar nichts.

Life Magazin, Susanne Dressler, Volksoper
© Barbara Pálffy-Volksoper Wien

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