Life Magazin, Samy Molcho, Territorium ist überall o,

Territorium ist überall

Vor rund 300.000 Jahren erstand der Mensch. Wie sich heute herausstellt, eine Missgeburt der Evolution. Unsere Tage sind gezählt und das ist gut so

Seit einigen Jahrzehnten bin ich Fan von Samy Molcho, der nicht nur unsere Körpersprache, sondern auch das Wesen der Menschen versteht und in seinen Büchern einfach erklärt.

 

Ich durfte mit ihm bei einer Tasse Tee sprechen und wir unterhielten uns über territorialverhalten der Menschen. Sein neues Buch “Territorium ist überall”, hat mich auf die Idee gebracht, mehr zu erfahren und darüber zu schreiben. Mir war schon bewusst, dass Menschen bei einem simplen Gasthausbesuch mit Freunden jeder für sich den gemeinsamen Tisch “markieren”. Das geht ganz einfach, funktioniert im Unterbewussten und Grenzen sind leicht gezogen. Hier mein Handy, da mein Packerl Zigaretten, das Besteck, das Getränk. Lieber Freund bis hierher, aber nicht weiter, sonst wird es mir zu eng und du tritts in mein persönliches Reich ein.

Life Magazin, Samy Molcho, Territoriu
© Manfred Cobyn/Samy Molcho

Anders ist es bei einem Liebespärchen, hier werden die Grenzen freiwillig geöffnet und die geliebte Person ist herzlich eingeladen, “mein Reich” zu betreten. Händchen halten und gegenseitige Fütterung ist die Folge. Mi casa su casa. Das gilt so lange, bis einer der Verliebten betrügt oder betrogen wird oder die Liebe ausgepufft und verschwunden ist. Ich habe das einige Male erlebt und wurde von jetzt auf gleich verlassen. Was ich nicht verstanden habe, ist, dass es ein langer Prozess ist bist die Liebe erlischt. Man lebt und “liebt” vor sich hin, ohne die Liebe jemals zu pflegen. Der Egoismus hält Einzug im Alltag, der natürlich nicht beim Partner verborgen bleibt. Andere Geschichte, anderes Thema.

“Beim Begriff Territorium erscheint in den Lexika immer nur das politische Territorium, also Staatsgrenzen. Für mich ist Territorium ein Raum, den ich markiere und verteidige. Seit beginn der Menschheit war das eine Sache des Überlebens. Wasserquellen, bessere Jagdgebiete usw.”

Markieren

„Tiere markieren ihr Revier, Menschen machen das natürlich auch. Alles, was außerhalb der markierten Fläche ist, bedeutet potenzielle Gefahr und Feindschaft. So sehen wir das auch heute noch. Klingelt ein Händler an meiner Türe, werde ich automatisch vorsichtig, da er in mein abgestecktes Reich eindringen möchte. Das gilt für physische wie auch für psychische Territorien, wie zum Beispiel Religion”.

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© Manfred Cobyn/Samy Molcho

Sehr klug, was mir Samy erzählt hat, so habe ich den inneren Zwang des abgrenzen noch nie gesehen.

 

“Eine Religion markiert durch Verhalten, Symbole und vieles mehr ihr Revier und jeder außenstehende ist wieder potenzieller Feind.”.

Das sieht man auch heute in vielen Ländern der Erde. Religionskriege stehen auf der Tagesordnung, es wird mit viel Gewalt unterschieden, ob man nun Christ, Jude, Sunnit oder Schiit im “Taufschein” stehen hat. Hitlerland trieb es an die Spitze mit über 6.000.000 gequälten und schließlich grausam ermordeten Juden. Die Menschen haben offenbar nichts daraus gelernt, sie morden aus religiösen Gründen weiter.

Klassengesellschaft

“Mit der Zeit entstanden verschiedene soziale Klassen und jede Klasse hat sich abgehoben durch Sprache, andere Signale, Kleidung oder Wohnsitz. Selbst Akademiker haben ihre eigene Sprache entwickelt.”.

In den 60er-Jahrenwurden wir immer fauler. Es ging uns gut und wir hatten keine Lust mehr, bestimmte Arbeiten selbst zu erledigen. Also musste Hilfe her, besser gesagt billige Hilfsarbeiter und die fand man unter anderem in der Türkei. Sie hausten und schufteten unter erbärmlichsten Verhältnissen. Sie hatten kaum Rechte, nur Pflichten.

“Doch sie sind geblieben, man könnte auch sagen als Eroberer. Sie hatten nicht nur Handgepäck dabei, sondern auch ihre Kultur, ihre Sprache, ihre Werte und ihre Religion, das bedeutet ihr eigenes Territorium.

Nun haben wir Angst, dass sie unsere Kultur verändern oder beeinflussen wollen. Schon ist ein Feindbild geboren und wir sind wieder bei Territorium. Die Probleme liegen am Metaterritorium die zu Konflikten führen können. Menschen die aus dem Balkan kommen grillen gerne im Freien, alleine der Geruch stört uns, wir sehen das als Eingriff in unsere Privatsphäre. Die beste Lösung wäre, wenn wir zum Grillen eingeladen werden und alle gemeinsam am Lagerfeuer sitzen und gemeinsam speisen”.

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Bild: Samy Molcho/Archiv

Doch leider ticken wir Menschen anders: “Mir san mir”, alles Fremde empfinden wir sofort als Bedrohung.

Das Ziel von Samy Molchos Buch “Territorium ist überall” ist es uns all diese Schwächen aufzuzeigen. Mir san net mir, sondern eine Gemeinschaft. Wozu regen wir uns ständig über Kleinigkeiten auf. Soll doch der Nachbarsbub sein Fahrrad dort abstellen, wo es niemanden stört. Lassen wir unsere Justamenthaltung links liegen und werden wir endlich vernünftig. Leider stehen wir uns selbst im Weg, die meisten Kriege werden wegen Territorien geführt. Ist das nicht lächerlich?

Mehr im Buch "Territorium ist überall" von Samy Molcho

In dem Buch “Der Papalagi” (der Weisse) beschreibt ein Südseehäuptling im vorletzten Jahrhundert das Wesen der Europäer so:

“Die Palme wirft ihre Blätter und Früchte ab, wenn sie reif sind. Der Papalagi lebt so, wie wenn die Palme ihre Blätter und Früchte festhalten wollte – Es sind meine! Ihr dürft sie nicht haben und nichts davon essen!”.

 

Zu welchem Territorium gehört das Wasser und wer darf davon trinken? Diese Fragen stehen uns noch bevor, vielleicht schon in ein paar Jahrzenten.

Arik Brauer “Sein Köpferl im Sand” - recommended by Manfred Cobyn

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Comments

  • Angelika Walther

    Samy Molcho fand ich schon immer gut. Danke für den tollen Artikel. Sein neus Buch habe ich gekauft und wird unter dem Christbaum liegen.

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