Life Magazin, Miss Saigon, Raimundtheater, Christian Rey Marbella, Musical nach Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg,

Nackte Haut und extrovertiertes Publikum-Miss Saigon

Die Bühnen sind alle wieder geöffnet. Wien kann sich endlich als die Kulturstadt zeigen, die sie ist. Nach geschätzten 15 Jahren besuche ich endlich wieder ein Musical

Miss Saigon zeigt sich als ein Potpourri aus Madame Butterfly und Les Misérables, alles im Gewand einer Kriegsgeschichte. Der Inhalt ist bekannt. GI verliebt sich in ein einheimisches Mädchen in Vietnam, sie sich in ihn. Er muss zurück nach Amerika, beide können einander nicht vergessen. Er findet später eine andere Liebe, sie ein Kind von ihm. Und am Ende stirbt jemand. Das wars auch schon. Es ist alles mit dabei, halb nackte Mädchen, hübsche Männer, und jede Menge Liebesschmerz und Dramatik.

Die Hauptdarsteller Christian Rey Marbella als Engineer, Vanessa Heinz als wunderbare Kim und Oedo Kuipers als Chris – legen sich ins Zeug, Chris klingt leider ein wenig übersteuert, der Engineer ist unterhaltsam und witzig, bei Kim bekomme ich Gänsehaut und finde sie spitzenmäßig. Leider kann ich mich nicht so sehr auf die Bühne konzentrieren, wie ich es gerne täte. Ich sitze in der sechsten Reihe im Parkett, an sich ein schöner Platz. Aber die Dame links neben mir scheint sich ständig über etwas aufzuregen und schaut alle paar Minuten missbilligend nach hinten. Ich merke zuerst nichts, aber dann höre ich es auch: ein Mann direkt hinter mir sagt immer wieder einige Worte zu seiner Begleitung. Recht leise, mich stört es nicht, obwohl ich durchaus auch von so etwas genervt sein könnte.

Life Magazin, Miss Saigon, Raimundtheater, Christian Rey Marbella, Musical nach Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg,
© Manfred Cobyn/Life Magazin - Miss Saigon

Na gut, ich versuche mich wieder auf das Stück zu konzentrieren. Die Darsteller tanzen wieder mal sehr gekonnt und leicht bekleidet und es macht Spaß zuzusehen. Dann plötzlich schmeißt die Dame rechts neben mir ihre Hände in die Höhe. Ohne Witz, sie reißt sie ganz nach oben! Ich erschrecke mich und schaue sie entgeistert an, sie murmelt etwas zu ihrer Begleitung und fuchtelt mit den Händen. Ich atme tief durch und versuche wieder die Musik auf mich wirken zu lassen. Die Herrschaften vor mir sind extrovertiert, sie wippen mit dem ganzen Körper, wenn sie der Meinung sind, dass die Darsteller auf der Bühne etwas brav gemacht haben. Wie gönnerhaft, denke ich mir. Kaum wieder in die Liebesgeschichte eingetaucht, steht die Dame rechts neben mir auf und möchte gerne durch. Die gesamte Reihe muss sich erheben, um sie passieren zu lassen. Hinter mir ein ungehaltenes Murmeln, die Dame links neben mir schaut wieder böse nach hinten. Ich seufze tief in mich hinein. Da kommt auch schon die Dame von rechts wieder und die ganze Reihe steht wieder Habacht.

Life Magazin, Miss Saigon, Raimundtheater, Christian Rey Marbella, Musical nach Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg,
© Manfred Cobyn/Life Magazin - Miss Saigon

Das hätten wir. Keine Ahnung, was die auf der Bühne gerade machen, aber sie werden wohl wissen was zu tun ist. Allerdings bin ich emotional echt draußen aus der Geschichte und frage mich, ob ich die zweite Hälfte so noch durchhalte. In dem Moment geht auch schon der Vorhang zu und ich darf in die Pause. Es fühlt sich nach Erlösung an.

Teuer ist nicht immer gut

Nach der Pause schleiche ich mich zu den hinteren Plätzen und warte ab, was frei bleibt. Ja, es gab eine Durchsage den Platz wegen Contact Tracing nicht zu wechseln, aber mal ehrlich, wann hat, dass denn jemals funktioniert? Eben. Am Randplatz sitzt zwei Reihen vor mir, eine Reihe hinter mir, drei Sitze neben mir niemand. Und ich liebe es! Schließlich möchte ich in Ruhe vor mich hin heulen. Die hinteren Reihen kann ich daher schwerstens empfehlen. Das bisserl Säule hat wirklich nicht gestört und die Akustik war, wenn dann sogar besser, da die Musik weniger übersteuert geklungen hat.

Das bereits am Programmheft angekündigte Highlight war spektakulär! Ein Hubschreiber hat die letzten GIs abgeholt, und ja, da war echt einer da! Quasi. Es war laut und alles gut gebrummt und gefühlt gewackelt und ich habe ihn fliegen gesehen! Allein deswegen würde ich das Stück empfehlen. Es war ergreifend. Wer bis dahin keine feuchten Augen hatte, bekam den gefühlten Rotoren Wind ins Auge und musste darum seine Tränen trocknen. Nach dem dramatischen Ende, emotionaler als der Tod von „Bambis Mama“, gab es Standing Ovation. Ich dachte schon mehr Pathos geht nicht mehr. Doch da kommt von irgendwo ein Mehr daher.
© Manfred Cobyn/Life Magazin - Miss Saigon

Specialeffekte und jede Menge Pathos

Das bereits am Programmheft angekündigte Highlight war spektakulär! Ein Hubschreiber hat die letzten GIs abgeholt, und ja, da war echt einer da! Quasi. Es war laut und alles gut gebrummt und gefühlt gewackelt und ich habe ihn fliegen gesehen! Allein deswegen würde ich das Stück empfehlen. Es war ergreifend. Wer bis dahin keine feuchten Augen hatte, bekam den gefühlten Rotoren Wind ins Auge und musste darum seine Tränen trocknen. Nach dem dramatischen Ende, emotionaler als der Tod von „Bambis Mama“, gab es Standing Ovation. Ich dachte schon mehr Pathos geht nicht mehr. Doch da kommt von irgendwo ein Mehr daher.

Das bereits am Programmheft angekündigte Highlight war spektakulär! Ein Hubschreiber hat die letzten GIs abgeholt, und ja, da war echt einer da! Quasi. Es war laut und alles gut gebrummt und gefühlt gewackelt und ich habe ihn fliegen gesehen! Allein deswegen würde ich das Stück empfehlen. Es war ergreifend. Wer bis dahin keine feuchten Augen hatte, bekam den gefühlten Rotoren Wind ins Auge und musste darum seine Tränen trocknen. Nach dem dramatischen Ende, emotionaler als der Tod von „Bambis Mama“, gab es Standing Ovation. Ich dachte schon mehr Pathos geht nicht mehr. Doch da kommt von irgendwo ein Mehr daher.
© Manfred Cobyn/Life Magazin - Miss Saigon

Die überlebende Ehefrau wand sich ans Publikum und erinnerte auf den real stattfindenden Ukrainekrieg hin. Sie wies auf Mitarbeiter mit Körben an den Ausgängen hin, die Spenden entgegennehmen. Nach dem Stück ist, das bestimmt ein von Erfolg gekrönter Aufruf! Ich finde das gut, auch wenn ich jetzt langsam wirklich durch den Wind bin. Es ist definitiv keine Sissi und auch kein Phantom der Oper, aber man kann es sich gut ansehen und 160 Minuten in eine andere Welt abtauchen. Falls man einen Grund oder eine Ausrede zum Heulen sucht, passt das auch gut.

Solltet ihr dem Aufruf der netten Ehefrau folge leisten wollt:

Erholung beim Junkfoodstandl

Am Heimweg habe ich dann gezielt mein Burgerstandl des Vertrauens im 7. Bezirk angesteuert: „Berlin Döner“ in der Zieglergasse. Irgendwie müssen sich meine aufgewühlten Hormone wieder beruhigen. Schokolade steht aus bikinitechnischen Gründen dummerweise gerade nicht am Speiseplan.

Lady Gaga, Bradley Cooper “Shallow” recommended by Babsi Keoma

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